Mein Bericht vom September und Oktober

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Liebste Leser meines Blogs,

ich weiss, schon im ersten Blogeintrag hiess es, ich habe eine turbulente Zeit hinter mir… Nun, diese turbulente Zeit scheint hier ein konstanter Zustand zu sein, und ich nutze dies jetzt einfach mal als Ausrede fuer meinen spaeten Blogeintrag. Als kleine Anmerkung jedoch, die Turbulenzen der letzten Zeit waren zum groessten Teil eher positiv. Eine negative Turbulenz: mein gestohlenes Handy. Ja, leider wurde auch ich jetzt ein Opfer der Kleinkriminalitaet Ecuadors, die mir hierzulande inzwischen alltaeglich scheint. Tatsaechlich war mein Handy-Diebstahl der fuenfte in meinem Bekannten und Freundeskreis innerhalb von ca 10 Tagen… Aergerlich, aber man muss hier lernen, sich von seinem materiellen Besitz hier emotional zu trennen, zumal mir eine Woche davor auch noch meine liebste Jacke gestohlen wurde (war aber auch eher durch Unvorsicht meinerseits). Man lernt dazu und ich bin mir sicher ich werde noch einmal mehr auf meine Sachen aufpassen in der Zukunft. Aber nun zum positiven! Ein Wochenende in Baños (de Ambato), ein verlaengertes Wochenende in Cuenca (beides mit einer Gruppe franzoesischer Freunde, die meisten auch Freiwillige), interessante Events, viel zu schaffen und ein Freiwilligenwechsel in der Arbeit… ich glaube, ich wuerde mich verzetteln, wenn ich das alles im Detail erzaehlen wuerde. Da ich im Moment einfach wirklich kaum Zeit habe um nochmal extra etwas fuer meinen Blog zu verfassen, wird der folgende Teil mein Bericht fuer meine Organisation sein, den ich alle 2 Monate schreiben muss in den ich doch auch recht viel Zeit gesteckt habe. Er ist von Ende Oktober. Es werden sich ein paar Dinge leider wiederholen, aber ich denke, es ist ertreaglich. Am Ende dann noch ein paar ergaenzende Worte. Viel Spass beim lesen!

Weltwärts-Freiwilligendienst in Quito, Ecuador
Entsendeorganisation BeSo – Begegnung und Solidarität e.V.
Einsatzstelle: La Bota – Zentrum zur Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher

Bericht von Sophie, September/Oktober 2017

Quito. Die Stadt, in der es an einem Tag 4 Jahreszeiten haben kann, in der das Wetter der Bewohner nach wie eine Frau soll (auch wenn mir persönlich diese Metapher nicht ganz gefällt, verstehe ich die Intention dahinter durchaus), deren Norden und Süden Quiteños nach zwei verschiedene Städte sind, die Stadt, die von zahlreichen, wunderschönen Vulkanen umrundet ist (die sich leider oft hinter Wolken oder Dunst verstecken)… Für mich ist es in den 2 Monaten, die ich jetzt hier lebe noch viel mehr geworden. Die Stadt, in der man am Besten auf alle seine Hosen- und Jackentaschen für den Bus jeweils schon abgezählt 25 ct verteilt hat und sich sehr über jegliches Kleingeld freut, in der man sich am Besten jeden Morgen einen Zentimeter Sonnencreme überall dort verschmiert, wo die Sonne den Tag über auch nur 5 Minuten drauf scheinen könnte (und eine gute Sonnenbrille einpackt – neben dem Regenschirm). Die Stadt, die in Richtung Norden und Süden scheinbar nie endet, die Stadt, in der man am Besten für das Nutzen der öffentlichen Verkehrsmittel eine ordentliche Dosis an Geduld, Gelassenheit und Gleichgewicht mitbringt. Die Stadt, in der man am Besten keine Angst vor (oder übermäßiges Mitleid mit) Hunden hat – genauer gesagt Straßenhunde. Eine Stadt der interessantesten Kontraste zwischen hochmodernen Einkaufszentren, müllbefleckten Straßen, dem imposanten historischen Zentrum, den zahlreichen Parks, den unfertig scheinenden Häuser aus nackten, grauen Bausteinen, den vollen Straßen und den sanften Hügeln.

All dies hat sich definitiv jeden Tag erneut bei mir bestätigt in diesen ersten zwei Monaten in Quito. Tatsächlich kann sich das Wetter hier schlagartig ändern, die Sonne einen aufgrund der direkten Lage am Äquator und der Höhe von 2800 Metern innerhalb von 5 Minuten verbrennen – selbst bei bewölktem Himmel sollte man sich hier eingecremt haben. Tatsächlich lässt die Sanftheit der Busfahrer hier beim Bremsen, Beschleunigen oder Gänge wechseln manchmal (aus deutscher Sichtweise) ein wenig zu wünschen übrig, und ja, die Hunde regieren hier nicht in wenigen Stadtvierteln scheinbar die Straßen.

Aber auch wenn all dies und die Größe und das Kontrastreichtum Quitos mich am Anfang meines Aufenthalts hier in Ecuador desöfteren ziemlich platt gemacht hat, fange ich doch mehr und mehr an, die Erfahrung einer solchen Änderung zu meinem zu Hause in Freiburg zu genießen und wertzuschätzen – ich kann es kaum erwarten zu sehen, was diese Stadt und auch das Land generell noch so für mich zu bieten hat. Quito wird für mich immer mehr zu einem idealen Ort für einen Freiwilligendienst. Zahlreiche interessante Orte sind von hier aus super erreichbar und zum Teil auch recht nah, die Stadt selbst hat unglaublich viel zu bieten und das Leben in einer lateinamerikanischen Millionenstadt zu erfahren ist super interessant und eine sehr wertvolle Erfahrung.

Ecuador generell ist ein Land, das mich sehr fasziniert. So viel Artenreichtum und Diversität an Landschaftstypen auf solch einer kleinen Fläche ist wirklich etwas Einzigartiges. Auch die Bevölkerung Ecuadors ist sehr divers. “Normale” Mestizen, Indigene verschiedener Kulturen, Montubios, Afroecuadorianer und viele mehr bewohnen das Land. Und mit letzteren bin ich durch meine Arbeit hier besonders verbunden. Das Centro Solidario (Educativo) La Bota bietet rund 40 Kindern des ärmlichen Stadtviertels La Bota, von denen vielleicht ungefähr eine Hälfte Mestizen, die andere Hälfte Afroecuadorianer sind, einen Ort an dem sie neben Hausaufgabenbetreuung, Platz zum Austoben und etwas zu Essen auch Zuneigung und ein offenes Ohr finden. Diese Kinder sind zwischen 5 und 11 Jahre alt und kommen jeden Tag nach der Schule so gegen 12:30 Uhr ins Projekt, wo die Erzieherinnen (Tutoras) und wir Freiwillige (im Moment noch 2 französische Freiwillige und ich) alles für das Mittagessen und generell für den Tag am vorbereiten sind. Um 13:00 Uhr gibt es dann das Essen: erst wird ein Tischgebet gesprochen (oder halb gesungen), dann gibt es Suppe und anschließend meist ein Gericht das Reis enthält. Zum Reis gibt es in der Regel eine Art Salat, eine Beilage wie Bohnen, Linsen, Kochbanane und dazu entweder Fleisch, Fisch, Ei oder ähnliches. Als Vegetarierin kann ich zwar nicht immer alles essen, aber ich bin doch überrascht, wie gut ich nach all den ursprünglichen Warnungen, als Vegetarier in Lateinamerika zu leben, auskomme.

Nach dem Mittagessen putzen sich die Kinder die Zähne und dürfen dann – wenn sie nicht zum Abwasch eingeteilt sind – mit ein paar der Erzieher zu den nahegelegenen “Canchas” laufen und sich dort auf dem Fußballfeld oder dem Spielplatz eine gute Dreiviertelstunde austoben. Danach geht es, wie beim Mittagessen wieder in die einzelnen Säle der 3 verschiedenen Gruppen. Die Kinder sind nämlich eingeteilt in die Pequeños mit 5-7 Jahren (dieses Jahr die Gruppe der “Conejos” – Häschen), die Medianos mit 8-9 Jahren (“Jaguares”) und die Grandes mit 10-11 Jahren (“Delfines”). Eingeteilt wurde ich bei den Kleinen, und nachdem diese nach den “Canchas” 30-45 Minuten Mittagsschlaf haben, arbeite ich insbesondere mit den ganz ganz Kleinen, den drei 5-jährigen in unserer Gruppe. Alle anderen Kinder machen dann Hausaufgaben oder “refuerzos” – fördernde Aufgaben und Aktivitäten. Da meine ganz Kleinen noch keine richtigen Hausaufgaben haben, ist dies meine Zeit, kreativ zu werden (oder sehr kreativ googlen und Aufgaben ausdrucken…). Ich arbeite mit diesen Dreien an ihren motorischen und kognitiven Fähigkeiten, ihrer Kreativität und ihrem Wissen – zumindest versuche ich dies, soweit mir das ohne besondere Ausbildung und meinem noch relativ unperfekten Spanisch möglich ist.

Das ist schon eine Herausforderung für mich, aber auch spannend, nach und nach ein Gefühl dafür zu bekommen, was ich mit den Kleinen machen kann, an was ich mit ihnen arbeiten kann und auch soll, und welche verschiedenen Stärken und Schwächen die drei jeweils haben. Da lernt man eine ganze Menge: Kreativität, eine ordentliche Portion an Geduld, wie man Häschen malt, wichtige spanische Wörter und Ausdrücke wie caracol (Schnecke), línea recta (gerade Linie) oder cállate (sei leise). Man lernt, sich den verschiedenen Niveaus der Kinder anzupassen und auch mal spontan was aus dem Ärmel zu zaubern, sollten die Kästchen im Heft doch schneller ausgemalt sein, als ursprünglich eingeschätzt.

Meine Aufgabenbereiche werden über das Jahr eventuell nicht ganz beim selben bleiben, aber bis jetzt ist die Arbeit mit den Dreien meine größte Verantwortung.

Nach der Arbeitszeit mit den Kindern bekommen sie so gegen 16:30 Uhr die “colación”, die entweder aus etwas Süßem wie Kuchen oder Ähnliches, oder Obst und manchmal auch ein Getränk wie Schokomilch, Tee oder “colada” besteht. Anschließend verabschieden sich die Kinder und meine Kollegen und ich putzen und räumen noch das ganze Gebäude auf. Einmal die Woche halten wie anschließend noch eine längere Besprechung mit dem Team ab.

Dann geht es wieder nach Hause zu meiner sehr netten, großen Gastfamilie, kreuz und quer durch Quito. Diese Busfahrt beinhaltet, zwei Mal umzusteigen, ein langer Weg zu Fuß von der Haltestelle nach Hause den Hang hinauf und kostet mich desöfteren fast 2 ½ – 3 Stunden am Tag – viel Zeit, Musik, Podcasts oder Hörbücher zu hören oder auch zu lesen, wenn dies die Fahrweise der Busfahrer des Tages zulassen. Meistens bin ich selbst nach einem normalen Arbeitstag recht müde und könnte meistens nach dem gemeinsamen Abendessen mit meiner Gastfamilie direkt ins Bett fallen.

An Wochenenden bin ich bis jetzt ab und an weggefahren, um Ecuador zu erkundigen, oder verbringe einfach meine Zeit zu Hause in meiner Gastfamilie. Dazu aber mehr im nächsten Bericht!

Bis zum nächsten Mal und viele liebe Grüße,

Sophie

 

So, dies ist der Bericht, den ich fuer meine Entsendeorganisation BeSo e.V. geschrieben habe. Ich habe an diesem Bericht nichts geaendert, wollte aber trotzdem noch ein kleines Update hinzufuegen. Und zwar ist es so, dass ich bald (oder schon jetzt fast nicht mehr), mit den drei kleinen 5 jaehrigen arbeiten werde. Es ist so, dass mein Vorgaenger dem Centro ein E-Piano/Keboard beschaffen hat, und anschliessend mit den Kindern Klavierunterricht gemacht hat. Da einer meiner franzoesischen Kollegen nun wieder nach Frankreich zurueck gegangen ist, nach einem Jahr im Projekt, wurde er durch zwei franzoesische Freiwillige ersetzt. Da wir also eine Freiwillige mehr sind, kann meine bisherige Aufgabe mit den ganz kleinen ersetzt werden durch eine der Beiden, damit ich den Klavierunterricht weiterfuehren kann, und dafuer so viel Zeit wie moeglich zur Verfuegung habe. Der Klavierunterricht ist also gerade in Vorbereitung und ich werde bald damit anfangen.

Das ist also eine der zahlreichen grossen Aenderungen zurzeit – der Wechsel der Freiwilligen, der bevorstehende Klavierunterricht. Dazu kommt die Vorbereitung auf eine Ausstellung vieler Projekte wie unseres in Quito die von der deutschen Fundacion Oberle unterstuetzt werden (bei der sogar der Praesident Moreno persoenlich zum Teil anwesend sein wird!) und mein bevorstehender Umzug in eine WG. Dazu habe ich mich entschieden, um einfach ein wenig mehr Freiheiten, Unabhaengikeit und Naehe zum Zentrum und meinen Freunden hier in Quito zu haben.

Dies also als Ergaenzung zu meinem Bericht, seit dem ja doch noch einiges passiert ist. Im Folgenden kommen noch Fotos aus den letzten Wochen/Monaten, begleitend zu dem, was ich ueber meine Arbeit erzaehlt habe, und von Ausfluegen und Reisen der letzten Zeit…

Somit – bis zum naechsten Mal!

(P.S. Erklaerungen zu den Fotos kommen glaube ich beim draufklicken. So ganz perfekt kapiert habe ich das mit den Fotos hier im Blog noch nicht…

P.P.S. Ja, ich schreibe auf einem ecuadorianischen PC, das erklaert das Fehlen der Umlaute und Scharf-S.)

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