Ein turbulenter erster Monat

Hallo allerseits!

Pünktlich zu meinem meiner 1-Monat-Marke hier in Ecuador kommt mein erster Blog Beitrag. Man sieht, noch habe ich meinen deutschen Sinn für Pünktlichkeit nicht verloren! Denn auch wenn die Ecuadorianer in punkto Pünktlichkeit nicht ganz soo schlimm sind, wie man sich es von den Lateinamerikanern klischeehaft erwartet, sind sie dennoch definitiv nicht dafür bekannt. Bekannt sind sie nämlich für sehr viele andere, viel spannendere Dinge! Bananen zum Beispiel. Einst die Bananen-Republik genannt, ist Ecuadors Hauptimportprodukt zwar nicht mehr die Banane (leider hat die Welt an schwarzem Gold im Moment immer noch ein höheres wirtschaftliches Interesse), jedoch spielt sie in diesem wundervollen Land immer noch eine riesige Rolle. Man könnte meinen, die Hälfte aller typischen ecuadorianischen Gerichte enthält Platano (wie sie hierzulande genannt wird, zumindest die Kochbanane). Eine kleine Einführung in die Welt der Platano: zwei Typen gibt es hier davon. Die Verde (logischer Name, denn es ist die noch grüne, unreife Platano) und die Maduro (die reife Kochbanane). Diese Bananen kommen hier in jeder nur erdenklichen Form: frittiert, gebraten, im Wasser gekocht, als Püree, püriert in Form von ‚Bolon‘ (ein sehr typisches Gericht, ein Faustgroßer Ballen bestehend aus Kochbanane, Zwiebeln und je nach Wunsch mit Käse oder Fleischfüllung). Sie kommen auch als Chips (genannt Chifles) mit allen möglichen Geschmäckern, in Suppen, als Bestandteil des Teiges in ‚Empanadas de verde‘ und und und… Man könnte über die Platano Kultur Ecuadors wahrscheinlich ein ganzes Buch schreiben.

Generell zusammengefasst: enthält ein Gericht hier keinen Reis, Mais oder eben Kochbanane, handelt es sich hier mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um ein ecuadorianisches Gericht.  So wichtig ist die Platano. Aber genug zur Kochbanane, kommen wir zu mir! Mir geht es hier in Ecuador so weit gut, wenn ich auch einen recht turbulenten ersten Monat hier erlebt habe. Angekommen am 23.August.2017 mit den 3 anderen Freiwilligen meiner Organisation, haben wir erst einmal eine Nacht in Guayaquil (Ecuadors größte Statdt mit ca 3 Milllionen Einwohnern) verbracht. Wieso nicht direkt Quito? Da wir am Anfang ein 2-tägiges Seminar in Cuenca haben sollten, das ist Ecuadors drittgrößte Stadt. Und da diese sehr viel näher an Guayaquil liegt, sind wir dorthin geflogen. So ging es also am Tag nach unserer Ankunft im Bus nach Cuenca – eine ca. 3-stündige, atemberaubende Fahrt. Guayaquil liegt an der Küste, Cuenca wiederum in der sogenannten Sierra (das ist die Anden-Region Ecuadors) auf 2500 Meters – man kann sich also vorstellen dass sich die Landschaft um einiges ändert auf dieser Fahrt. Eine weitere Sache, für die Ecuador bekannt ist: die hohe Dichte an komplett verschiedenen Lanschaftstypen und Biodiversität in solch einem kleinen Land. 4 Hauptregionen zeichnen sich hier aus: der ‚Oriente‘ (das Regenwaldgebiet im Osten), die Sierra in der Mitte, das Tiefland mit der Küste und die Galapagosinseln, die zwar um die 1000 Kilometer von der Küste entfernt liegen, aber zu Ecuador gehören. 

Nun hatten wir also unser Einführungsseminar in Cuenca, mit anderen Freiwilligen aus Deutschland und Österreich. Die meisten machen allerdings ihren Freiwilligendienst in Cuenca selbst (Laura und Linus von meiner Organisation sind in Saraguro, eine kleines indigenes Bergdorf), so habe ich mich also am 27.August alleine auf den großen weiten Weg nach Quito machen müssen. Eigentlich sind es um die 8 oder 9 Stunden Fahrt im Reisebus – aus diesen wurden für mich allerdings 11 Stunden, da ich aus Mangel an Plätzen in einer ‚besseren‘ Busagentur mit einer anderen fahren musste, dessen Busse (in denen keine Ausländer fahren) in jedem kleinsten Dorf auf dem Weg anhalten. Zudem hatten wir vor Quito Stau, so musste also meine Gastfamilie, die mich abholen sollte, 2 Stunden auf mich am Busterminal warten. Wie nervenaufreibend das für mich war, vor allem da ich mit meiner deutschen Nummer niemanden erreichen konnte, könnt ihr euch vorstellen.  Im Endeffekt hat jedoch alles geklappt und ich bin gut in meiner Gastfamilie angekommen. Ich lebe mit einem ecuadorianischen Paar und deren 4 Kinder. Jungs im Alter von 16 und 22 und Zwillingsschwestern im Alter von 9 Jahren. Allerdings sind wir im Moment sogar 8 Hausbewohner, da die Nichte meiner Gastmutter aus Cuenca hier ein paar Monate wohnt, um mit meinem Gastvater zu arbeiten. Er ist Elektronikingenieur oder so etwas in die Richtung und sie hat auch ein Studium in die Richtung gemacht. Meine Gastmutter arbeitet in einer Software-Firma. Daran kann man denke ich sehen, dass sie für die ecuadorianische Bevölkerung recht privilegiert sind und auch wohlhabend leben können. Wir leben in einer Art ‚gated community‘ – am Anfang der Straße (eine Sackgasse) ist ein Tor mit einem Wächter, der die hier lebenden Leute kennt, und dementsprechend auch nur diese reinlässt. Das ist ein ganz schön großer Kontrast zum Viertel, in dem ich zur Arbeit gehe. La Bota liegt am einem Hang, und hat zwar eine hübsche Sicht auf die umliegenden Teile Quitos, zeichnet sich aber auch durch seine grauen und traurig aussehenden, scheinbar nicht richtig fertig gestellten Gebäude, seine Straßenhunde und dem vielen Müll in den Straßen aus. 

Kontraste findet man in Quito eine ganze Menge. Dies ist nur ein Beispiel – eines, dass ich 5 Tage die Woche erlebe. Zwischen für Ecuadors schicken Wohnvierteln wie das wo ich wohne, Vierteln wie La Bota, hochmodernen Shoppingcentern in denen ich mich wie in den USA fühle, zugemüllten Straßen, dem sehr ‚westlich‘ wirkenden, neuen Teil der Innenstadt mit seinen Hochhäusern, dem historischen Zentrum (das ich selbst noch nicht besichtigt habe) und den großen Parkanlagen findet man hier reichlich an Überwältigungsmaterial, vor allem in Kombination mit der Größe dieser Stadt (ca. 2 Millionen auf 50 Kilometer Länge ausgebreitet) . Deswegen nenne ich es auch einen turbulenten ersten Monat da mich allein Quito selbst am Anfang ziemlich platt gemacht hat. Die Kontraste, die Größe, die Busfahrten durch die Stadt (welche zur Arbeit sehr lang sind, zwischen einer und eineinhalb Stunden), dann auch noch die Höhe der Stadt (2800 m), die intensive Sonne und schnellen Wetterwechsel… das alles macht einen schon ein bisschen fertig, wenn man nicht daran gewöhnt ist. Dazu kamen Gedanken wie wie ich hier bloß Leute kennelernen kann, Stress um mein Visum und die Verlängerung meines Freiwilligendienstes um einen Monat (damit ich an der Abschlussfahrt des Kinderhorts, in dem ich arbeite teilnehmen kann) und das Spanisch, mit dem ich immer noch ein wenig holprig vorankomme. Ja, ich war zum Teil ein bisschen am Ende meiner Nerven. Nichtsdestotrotz geht es mir gut, ich gewöhne mich langsam an das Millionenstadtleben und die Sprache, die Arbeit ist super, die Kinder (auch wenn es ein paar sehr rebellische Ausnahmen gibt) super liebenswürdig, meine Kollegen sehr symphatisch und mit meiner Gastfamilie komme ich auch gut klar (auch wenn mich mein Gastvater sehr gerne und oft für meine vegetarische Ernährungsweise triezt 😀 ).

Da ich jetzt schon ganz schön viel geschrieben habe, schließe ich hiermit den Text-Teil meines Blogeintrags ab und fokussiere lieber meinen nächsten Blogeintrag auf meine Arbeit hier! Jetzt habe ich noch ein paar Fotos für euch inklusive Erklärungen dazu. 

¡Disfruten!

Quito (oder zumindest ein kleiner Teil davon…) vom Rucu Pinchincha aus – ein Berg (Vulkan) am Rande von Quito, auf den man mit einer Seilbahn hochfahren kann. Dann landet man zwar noch deutlich unterhalb des Gipfels aber es bietet sich eine fantastische Sicht!


Ein paar hübsche Anden-Blumen… Im verschwommenen Teil links könnt ihr vielleicht in der Ferne den Süden Quitos erkennen. Von dort sieht es aus als ob die Stadt nie endet.

Hohes, festes Gras, das die perfekte Ausruhmöglichkeit bietet 🙂

Ein Teil der Sicht vom Haus meiner Gastfamilie aus, die mich immer wieder mal meines Atems beraubt… In der Ferne sieht man einen der zahlreichen Vulkane, die Quito umgeben: der Antisana. Leider verstecken sich die Vulkane meistens hinter Wolken und Dunst.
Latidud 00’00’00 – Im Museum Inti Nan direkt auf dem Äquator. Und zwar der echte Äquator! Das berühmtere große Denkmal der ‚Mitad del Mundo‘ liegt 240 Meter abseits.
Mit meiner Gastmutter und meinen Gastschwestern 🙂
Erfolgreich ein Ei auf einem Nagelkopf aufgestellt und dafür sogar eine Urkunde bekommen! 😀 Durch die entgegenwirkenden Kräfte von beiden Hemisphären oder wie das auch immer ist kann man alle möglichen spannenden Experimente machen – unter anderen dieses. Das mit dem Ei ist tatsächlich nur am Äquator möglich (ihr könnt es bei euch ja mal ausprobieren ;)…)
Das ‚richtige‘ Denkmal am ‚falschen‘ Äquator: die Mital del Mundo. Es ist der am meisten von Touristen heimgesuchte Ort Ecuadors.

Traditioneller Tanz am Äquator-Denkmal

Random Einschub: Die Ecuadorianer haben Weihnachtsläden. Riesige Weihnachtsläden. Die das ganze Jahr geöffnet haben… 😀
Und zum Abschluss ein kleiner Sneak-Peek meiner kleinen pequeños bei der Arbeit 🙂

Bis zum nächsten Mal!

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